KRS 0000203313

Gemeinnützige Anstalt

kontakt@hospicjumtischnera.org +48 12 269 86 20

98 1240 1444 1111 0010 1566 6214 Swift: PKOPPLPW

Unser Patron

Der Lebenslauf Joseph Tischners

Kindheit und Jugend (1931-1949)
Pfarrer Joseph Tischner wurde am 12. März 1931 in Stary Sącz (Alt Sandetz) geboren und am 2. April desselben Jahres in der Pfarrkirche Stary Sącz getauft (wo ihm die Namen Joseph Stanislaus gegeben wurden). Seine Eltern waren Lehrer: Vater – Joseph – geboren in Sącz, Mutter – Veronika (geb. Chowaniec) - stammte aus Jurgów (Jurkau). Er verbrachte Kindheit und Jugend im Dorf Łopuszna, wo sein Vater im Jahre 1923 einen Arbeitsplatz als Schulleiter bekam. Familie Tischner wohnte im Schulgebäude; aus diesem Grund unterschrieb sich der Verfasser von „Philosophiegeschichte auf Goralisch“ in späteren Jahren manchmal „Józek Szkolny“ (Joseph aus der Schule). Er hatte eine glückliche Kindheit. Er lebte das Leben eines Dorfkindes, genauso wie seine Altersgenossen, jedoch zugleich auch eines der Intelligenz angehöriges. Er trug aus seinem Familienhaus hohe Achtung für die Literatur und intellektuelle Arbeit mit sich hinaus. Seine Ferien verbrachte er in Stary Sącz und Jurgów. Im Jahre 1936 kam der zweite Sohn der Tischners, Marian, zur Welt. Während des Zweiten Weltkriegs mussten die Tischners Łopuszna für einige Jahre verlassen. Sie wohnten eine Zeit lang in Raba Wyżna, in 1942 wurde sein Vater in die Arbeit in der Allgemeinschule in Rogoźnik eingewiesen. Dort erlebten sie auch die Befreiung mit. Im Jahre 1945 kehrten die Eltern Pfarrer Tischners nach Łopuszna zurück, wo sie bis zur ihrer Pensionierung blieben; ein Jahr danach kommt ihr dritter Sohn, Kazimierz zur Welt. Zur dieser Zeit besuchte ihr ältester Sohn schon das Gymnasium in Nowy Targ (Neumarkt). In 1949 bestand er das sogenannte große Abitur und reichte seine Papiere auf das Fachbereich Jura bei der Jagiellonen-Universität ein, gemäß dem Willen seines Vaters, abgesehen von seinem früherem Entschluss Pfarrer zur werden. Nachdem er das erste Jahr Jura belegte, klopfte er im Mai 1950 an die Pforte des Priesterseminars in der Podzamczestraße in Krakau an. Er blieb Student an der Jagiellonen-Universität – jedoch im Fachbereich Theologie.

Die Wahl des Weges (1950-1969)
Joseph Tischner studierte Theologie im schwierigsten für die Kirche Zeitraum in der Nachkriegsgeschichte Polens. Auf die Jahre seines Studiums fielen unter Anderem der laute Prozess gegen die Pfarrer der Krakauer Kurie, Gefangennahme des Primas und Internierung des Erzbischofs Eugeniusz Baziak, wie auch Verdrängung des Fachbereichs Theologie von den Universitäten zu. Tischner beschließt sich der Wissenschaft zu widmen. Unter der Fügung Pfarrer Prof. Kazimierz Kłósaks entfaltete er seine philosophischen Interessen, besonders legte er Nachdruck auf die deutsche Philosophie. Pfarrer Präfekt Jan Pietraszko, späterer Bischof, wurde ihm ein Priestervorbild. Im letzten Studienjahr nahm er an Vorlesungen in Sozialethik, durch Pfarrer Doktor Karol Wojtyła gehalten, teil. Am 26. Juni 1955 in der Wawel-Kathedrale erhielt er die Priesterweihe aus den Händen Bischof Franciszek Jops. Ermuntert von Pfarrer Kłósak, fing er das Studium im Fachbereich Christliche Theologie bei der Katolischen-Theologie-Akademie in Warschau an (1955-1957). Nach dem Polnischen Oktober und der Rückkehr nach Krakau im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Religionslehre in Schulen – setzte er dieses Studium im Fachbereich Geschichte und Philosophie der Jagiellonen-Universität fort (1957-1959). Er befasste sich in dieser Zeit vor allem mit der Philosophie Edmund Husserls. Gleichzeitig arbeitete er als Vikar und Katechet bei den Pfarrgemeinden St. Nikolaus in Chrzanów (Krenau) (1957-1959) und St. Kasimir in Krakau (1959-1963). In 1963 verteidigte er seine Doktorarbeit bei Prof. Roman Ingarden auf der Jagiellonen-Universität. Zusammen mit dem Erwerben des wissenschaftlichen Grades begann er seinen Weg als Hochschullehrer – er hielt Vorlesungen im Fachbereich Philosophie am Höheren Priesterseminar (später – Päpstliche Theologische Fakultät, und ab 1981 – Päpstliche Akademie für Theologie) in Krakau vorzutragen. In der Mitte der 60. Jahre nahm er Mitarbeit mit „Tygodnik Powszechny“ und der Monatsschrift „Znak“ auf, mit denen er bis zum Ende verbunden blieb. Im Jahre 1965 zog er vom Vikariatshaus der Pfarrgemeinde St. Kasimirs zum Pfarrer-Professoren-Haus in der St. Markusstrasse 10 um, wo er bis in die 90-er. Jahre hin wohnte.

Philosoph und Seelsorger (1970-1979)
Die 70. Jahre wahren für Pfarrer Tischner eine Zeit intensiver seelsorgerischer Arbeit. Er hielt in dieser Periode in der St. Markus Kirche berühmte Messen für Kindergartenkinder, während dieser er den Brauch Gesprächshomilien zu führen einführte und den Kindern erlaubte, ihre Lieblingsspielzeuge in die Kirche mitzubringen. Er kam seien Verpflichtungen als Seelsorger der Krakauer Intelligenz nach, welche sich bei seinen beliebten „trzynastki“, in der St. Anna Kirche gehaltenen, versammelte. Er arbeitete mit vielen Kreisen zusammen: Ärzten (vor allem mit Psychiatern, er war mit Antoni Kępiński befreundet), Gelehrten, Künstlern. Er war ein geschätzter Leiter von Besinnungstagen und Hochschullehrer. In 1974 habilitierte er sich bei der ATK mit der Arbeit „Fenomenologia świadomości egotycznej“. In der zweiten Hälfte der 70. Jahre nahm er in einer Bewegung unabhängiger Kulturinitiativen (unter anderen sogenannte Fliegende Universität) teil. In dieser Zeit schrieb er eine Reihe wichtiger Artikel, unter anderen einen ausführlichen Essay „Der Untergang des thomistischen Christentums“, welcher das polemische Feuer, bekannt unter dem Namen „Streit mit dem Thomismus“, entfachte. Tischner trat gegen die Dominanz eines philosophischen Modells (aristotelisch-thomistischen) in der Auslegung der christlichen Doktrin auf; er bewies, dass die gegenwärtige Philosophie, besonders die Philosophie der Werte, dem Christentum genauso interessante Aussichten zu bieten hat. Im Jahre 1975 wurde sein erstes Buch „Die Welt der menschlichen Hoffnung“ herausgegeben. In der zweiten Hälfte der 70. Jahre fing er die Arbeit an der nächsten – „Der unmögliche Dialog“ – an, welche dem Zusammenstoßen des Christentums und Marxismus gewidmet war.

Kapelan „SolidarnGeistlicher der Solidarność-Gewerkschaft (1980-1989)
Mit der Solidarność-Gewerkschaft war er ab dem Entstehen von Anfang an verbunden; am 19. Oktober 1980 hielt er in der Wawel-Kathedrale eine laute Homilie für die Anführer des neu entstandenen Bundes (Solidarität der Gewissen), welche den Anfang für die später veröffentlichte „Ethik der Solidarität“ gab. In 1981 war er Gast des I Landeskongress der Solidarność in Danzig. Mitsamt den Aktivisten NSZZ „Solidarność“ Individueller Bauern organisierte er in den 80. Jahren Hilfe für Podhale (Karpatenvorland) (Einführen von Landwirtschaftsmaschinen aus Österreich, Organisieren von Ausreiselandwirtschaftspraktiken). Als Geistlicher des Bundes Związek Podhalan initiierte er die Tradition der Auguster Messen für das Heimatland in der Kapelle zur Turbacz (von 1982 an), auf welche Pilger von ganz Polen ankamen. Gleichzeitig von 1980 an hielt er Vorlesungen über Dramaphilosophie an der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Krakau als auch an der philologischen Fakultät der Jagiellonen-Universität (monografische Vorlesungen gehaltene in den 80. und 90. Jahren bei dem Witkowski Collegium der Jagiellonen-Universität – jeden Dienstag um 18 Uhr – zogen eine Menge Zuhörer an). Er war auch Mitgründer der philosophischen Fakultät PAT (1981), sowohl als stellvertretender Dekan dieser, und ab 1985 wurde außerordentlicher Professor dieser Hochschule. Auserwählt zum Rektor der PAT, lehnte er es ab diese Funktion anzunehmen, um weiter seinem Wunsch, der wissenschaftlichen und geistlichen Arbeit nachkommen können. Mitsamt den Philosophen Hans-Georg Gadamer und Krzysztof Michalski erschuf er gemeinsam das Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (1981), er nahm auch mehrmals an durch dieses Institut organisierten Treffen der Intelektuellen mit Johannes Paul II in Castel Gandolfo teil. Nach dem Anschlag auf den Papst im Mai 1981 wurde Pfarrer Tischner zum ersten Mal ins polnische Fernsehen eingeladen – er äußerte ein Kommentar zur diesem Ereignis. In den 80. Jahren erschienen die nächsten Bücher Tischners, unter anderen „Myślenie według wartości“ (1982) „Polska jest Ojczyzną“, „W kręgu filozofii pracy“ (1985). Die Krönung seiner Wissenschaftsarbeit in dieser Zeit war das im Jahre 1990 erschienene Buch „Das menschliche Drama“.

Lehrer der Freiheit und Hoffnung (1990-2000)
Die 90. Jahre sind ein Zeitraum, wo Tischner die Früchte seines früheren Engagement erntet und gleichzeitig enorme Popularität in ganz Polen gewinnt. Er wird als Autorität nicht nur in Sachen Glauben und Philosophie, sondern auch der neu entstehenden Demokratie anerkannt, wobei er selbst sich bemüht, vor allem über Freiheit und die Beziehungen zwischen Kirche und Staat zu sprechen. Ein Zeichen der Anerkennung sind unter anderen ehrenamtliche Doktorate von der Universität Łódź und Pädagogischen Hochschule in Krakau, wie auch erhaltene Auszeichnungen: Jurzykowskiego-Preis (1988), S. Kisielewskiego-Preis (1993) und K. Pruszyńskiego-Preis (1993). Im Jahre 1999 wird er zum Ritter des Ordens vom Weißen Adler gewählt. Er veröffentlicht in dieser Zeit viel, vor allem Sammlungen von Skizzen und Essays, gewidmet der philosophischen, sozialen und religiösen Problematik („Unglückliche Gabe der Freiheit“, 1993; „Beichte eines Revolutionär“, „Hegels Phänomenologie des Geistes lesend“, 1993; „Im Land der kränklichen Fantasie“, 1997; „Ein Pfarrer auf schiefer Bahn“, 1999), wie auch Gesprächsbänder („Zwischen dem Herrn und Pfarrer“ – mit A. Michnik und J. Żakowski, 1995; „Tischner liest den Katechismus“ – mit J. Żakowski, 1996; „Den Herrn Gott zu überzeugen“ – mit D. Zańko und J. Gowin, 1999). In 1998 erscheint die Fortsetzung von „Das menschliche Drama” – „Der Streit um die Existenz des Menschen“. Ein großer Erfolg unter den Lesern werden philosophische Erzählungen gestalten nach der Tatravorländischen Mundart „Philosophiegeschichte auf Goralisch“ (1997). Mit großer Beliebtheit erfreuten sich auch Tischners Rundfunksendengen (unter anderen Gespräche ohne Pointe mit J. Gowin in einer Sendung des Radio Krakau und die dort gelesene „Philosophiegeschichte auf Goralisch“) und Fernsehsendungen. Inmitten der Letzten verdienen an Aufmerksamkeit vor allem die Reihe Sieben Todsünden auf Goralisch (1995), deren Kodrehbuchautor er war, und Tischner liest den Katechismus vor (1996) – Gespräche geführt mit Jacek Żakowski. In den letzten Lebensjahren war Pfarrer Tischner schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt. Folgende Operationen und Krankheitsfortschritte entzogen ihm die Sprechmöglichkeit. Trotzdem schrieb er ununterbrochen fast bis zum letzten Augenblick; aus dieser Zeit stammen ergreifende Texte über Gottes Barmherzigkeit und ein kleines Büchlein „Hilfe bei Gewissenserforschung“. Er starb am 28 Juni 2000 in Krakau. Er wurde am 2 Juli in Łopuszna beerdigt.

Ursprung: Tischner.pl

Sie unsere Webseite